Skjaldar Halldorson

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Mein Name ist Skjaldar Halldorson, geboren irgendwann zwischen den Jahren 1018 und 1019. Als Sohn einer kleinen Bauernsippe waren wir unterwegs frisches Ackerland zu finden. Aufgrund des immer kälter werdenden Klimas um die Jahrtausendwende bis zu meiner Geburt, so erzählte mir mein Vater, waren große Viehbestände erfroren und die Saat der Äcker war jahrein jahraus ertränkt worden vom ewigen Regen.  Unsere Heimat, Jütland, erschüttert durch die Eroberungsfeldzüge Haralds, dem Blauzahn, wurde für uns unhaltbar, da auf erfolgreiche Schlachten sogleich ziellose Plünderungen und kleine Racheakte bewaffneter Bauern unsere kleinen Dörfer heimsuchten. Zudem war das erweiterte, unter Harald zusammengeschlossene Königreich nur noch ein wilder Haufen. Es gab keine Herrscher, die nicht in irgendeiner Weise die alten Herrschaftsgebiete unter sich neu aufteilen wollten. Plünderungen und kleine Feldzüge zwischen den kleinen Ländereien standen an der Tagesordnung. Letztlich blieben nur wenig Vieh und Saatgut verschont und wir waren dem wilden Treiben marodierender Scharen hoffnungslos ausgeliefert. Die Truppen Haralds waren verstreut bei den Angelsachsen und Norwegen, nur eine kleine Schar bot seiner eigenen Festungen Schutz. So zogen wir - nachdem Großvater, Mutter und meine Brüder bei einem der letzten Überfälle dahin gemetzelt wurden - nach Süden. Erst mit der Absicht mit den letzten uns verbleibenden Vorräten über Hamburg ein Schiff nach Gunnbjørnland (Grönland) zu finden. Dort sollte es gewaltige Weideflächen geben; seit nunmehr 50 Jahren siedelten dort unsere Brüder und Schwestern in Frieden. Soweit die Erzählungen einiger Händler.  In Hamburg angekommen, sah man immer noch die Spuren der Verwüstung. In den Jahren in denen die ersten Siedler nach Grönland übersetzten, das dürfte um 985 gewesen sein, wurde die Stadt von einem Aufstand der Wenden stark erschüttert und letztlich von den Obodriten den Erdboden gleich gemacht. Die Aufbau- arbeiten haben den Anblick der Stadt für unsere Blicke nicht gerade verbessert. Zudem gingen Gerüchte umher, dass die Christen hier Häuser aus Stein errichten wollen, so etwas gibt es bei uns nicht. 

Nun standen wir hier in Hamburg. Ich bin mittlerweile 9 oder 10 Jahre alt, wir schreiben das Jahr 1029. Ein Schiff das uns nach Gunnbjørnland bringt… das gibt es nicht… jedes Schiff wird für die Eroberung Britanniens benötigt. Am Ende unserer langen Reise ließen wir uns an der Elbmündung nieder und versuchten hier Fuß zu fassen.

Auf unserer langen Reise von Jütland bis zu Elbmündung fielen uns die unterschiedlichsten Rüstteile in die Hände, die wir oftmals gewinnbringend auf den Märkten und schmieden verkaufen konnten. Gute handwerkliche Stücke behielt mein Vater, später übertrug er mir die Aufsicht und die Sicherheit über unseren Hof.

Wir führten ein beschauliches und friedvolles Leben für die nächsten 6 Jahre. Im Jahr 1935, nachdem ich ein weiteres Mal in Hamburg versuchte Vieh, Hafer, einige Pfeile und Rüstzeug auf dem Markt zu  verkaufen, kehrte ich unvollendeter Dinge nach Hause zurück und fand unseren Hof verwüstet, meinen Vater erschlagen vor. Das Vieh war weg, die Ernte niedergebrannt, das Leben… musste erneut neu beginnen. Als Einsiedler waren wir verschrieen, die Leute erzählten sich Witze über unsere Idee, nach Grönland zu reisen. Daher gab es für mich nicht unbedingt viel Rückhalt und Zuspruch als ich die Schlächter meines Vaters ausfindig machen wollte. Letzten Endes wurde ich auf die Spur einer wohl bekannten Slawischen Räuberbande gebracht.

Das nicht verkaufte Rüstzeug hatte allerdings für dieses Vorhaben sein gutes. Es blieben mir: ein alter gehärteter Lederwams samt Schulterschutz; ein angerosteter Nasenhelm wie er bei uns üblich war, zwar etwas zu unförmig, nach einigen Tritten aber passend; ein mit Pfeilen durchbohrter mannshoher Schild; ungewöhnlich für einen Bauern, ein Kettenhemd, ich schätze es kommt aus der Hand eines Schmiedelehrlings, die einzelnen Kettenglieder sind grob verknüpft, nicht vernietet wie es üblich war, aber dennoch ein wirkungsvoller Schutz wenn man nicht gerade auf die Zahllosen Löcher in dem Gestrick zielt; einige verstärkte Lederbindungen für Elle und die Hände; und zu guter Letzt das Familienschwert meines Großvaters. Dieses hatte er bei einem der Feldzüge die er im Slavenreich mitführen musste von seinem Feldherren erhalten, nachdem er für ihn fast in den Tod geritten ist.

Mit Sack und Pack machte ich mich auf den Weg die einzige, mir damals als wichtig erscheinende Tat zu vollbringen: Die Henker meines Vaters zu finden und zur Strecke zu bringen.

Meine Reise führte mich immer der Elbe entlang bis ich in dem slawischen Gebiet um Gau Nizizi (Wittenberg, damals spärlich besiedelt durch slawische Stämme) auf einen Händler traf der mir anbot, nachdem ich um Verpflegung bat, ihn  zu begleiten, er sei auf dem Weg nach pagus Nisan (Dresden).  Wir würden uns wunderbar ergänzen sagte er. Er sei ein bekannter Händler und ich würde ihm guten Schutz bieten wofür ich Wasser und Essen von Ihm erhalte.

Mir konnte nichts besseres passieren, mit seinem Gespann würde ich schneller vorankommen als ich mir das erhofft hatte. Pferdewagen waren selten, selbst hatten wir nie genügend um uns ein Pferd oder gar einen Wagen leisten zu können. Unser Bulle zog unseren holprigen Wagen, der gerade stabil genug war bei seiner Geschwindigkeit nicht auseinander zu brechen. Große Reisen konnten nur durchgeführt werden wenn man die zusammengebundenen Latten immer wieder aufs neue verspannt hat. Zwar war das mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, aber unser letzter Bulle starb mit meinem Vater.

Nun denn, unterwegs mit dem Händler nach pagus Nisan konnte ich meiner neu auferlegten Pflichten nachkommen und konnte uns gar einer Hand voll aufsässiger Bauern wehren. Die, zuweilen sie im Recht waren, meinen Händler an die Truhe wollten. Händler pflegen nicht immer alles mit rechten Dingen anzupreisen, er war wohl ein Meister darin. Ich selbst hatte ihn nie verstanden, doch mit Geschick und Gestik, vermochte er allen seinen Zuschauern die wertlosesten Gegenstände zu Preisen zu verkaufen, die selbst Adelige neidisch werden lassen können.

Ein Paar Tage vergingen seit diesem kleinen Zwischenfall als ich morgens aufwachte und der Händler verschwunden war. Wir lagerten am Rand der ansehnlichen Siedlung aber ich war es gewohnt dass er bei Anbruch der Nacht noch einmal seine Verkaufslust stillen wollte. Ich wartete 3 Tage auf seine Rückkehr doch er blieb verschwunden. Hier saß ich nun, mit seinem Wagen und dem unverkauften Gerümpel. Nach 5 Tagen und keiner Spur von dem Händler beschloss ich das Lager abzubrechen. Ich entledigte mich des für mich unbrauchbaren Materials, nahm nur das wichtigste mit und beschloss meinen Weg wieder stromaufwärts weiterzuführen. Mit dem neuen Gefährt war dies nun etwas leichter, ich hoffte gut voranzukommen, allerdings wurde mir das weiche Sumpfland um die Elbe fast zum Verhängnis und es zwang mich letztlich von meinen Weg abzukommen. Durch die Täler der mir riesig erscheinenden gut bewaldeten Berge gelangte ich nur südwärts und nach Osten hin. Wie auch immer, eigentlich wusste ich nicht wohin ich fahre  und was dort noch kommen mag. Ich kannte das Jütland, ich kannte die große Stadt Hamburg, aber hier? Ich wusste gar nichts. Ich wollte vielmehr nur noch weiterkommen, das war mein Ziel. Die Schlächter meiner Familie sind ohnehin schon seit Jahren unauffindbar geworden. Zurück? Hätte ich nicht mehr gefunden. Der eine schlief, der andere fuhr. So hatten wir uns fortbewegt. Die Orientierung lag immer nur in der Elbe, der Sonne und den Sternen.

Wo war ich… ach ja… Täler, Täler hatten Pfade… und diesen Fuhr ich nach. Einige Wochen dürften es gewesen sein als ich an eine Stattliche Ansiedlung kam. Wortizlawa (Breslau). Ich schätzte sie auf gut 1000 Einwohner. Eine Stattliche Burg und eine dieser seltsamen Kirchen deuteten hier auf eine fortschreitende Christianisierung hin. Auch in meiner Heimat kamen immer mehr dieser Verrückten und versuchten ganze Siedlungen zu bekehren.  Einige vermuteten wohl, dass die Kälte die uns vom Norden gen Süden getrieben hat irgendetwas mit diesen Mönchen und Priestern zu tun hat. „Es gibt nur einen Gott“ sagen sie immer… Wohl kaum… Wie sollte ich sonst bis hier her gelangt sein? Mein Händler, den ich begleitet hatte, konnte unsere Sprache nicht. Auch nicht die der Priester, Er hatte andere Götter, aber auch nicht nur einen. Ich sah es immer wieder… ach, sollen doch alle glauben was sie wollen.

Ich blieb eine Weile in Wortizlawa, fand auch einen Lederer der meine Rüstung reparierte und dem ich etwas zur Hand gehen konnte. Ich half beim Gerben der Felle - was für ein bestialischer Gestank,   wüsste ich nicht genauer dass die Gerber schon vor den Christen da waren, so könnte man meinen, Sie seien dafür verantwortlich dass es so stinkt, aber was macht man nicht alles für seinen Unterhalt. In dem Jahr in dem ich bei dem Lederer war, hatte ich zwar nicht das Glück von ihm als Lehrjunge angenommen zu werden, doch konnte ich einiges an Erfahrung im Umgang mit dem Rohstoff sammeln. So fing ich auch an meine Ausrüstung zu erweitern. Viel Zeit hatte ich dafür nicht, aber das machte nichts, Wissen geht nicht verloren.

Die nächste Reise brach für mich an, als ein Händler die Gerberei betrat und uns Felle zum Kauf feil bot. Persianer Felle… wunderschön und unversehrt. Er wollte sie tauschen. Wir konnten ihm dafür nur das Leder einiger Rinder anbieten, aber hochwertig war es nicht. Narben zerfurchen die feine Lederhaut, was wir durch ein spezielles Verfahren wieder ausgleichen wollten. Wir tränkten das Leder in Wachs… anfangs konnte ich nicht verstehen warum er das macht. Das Ergebnis war aber beachtlich. Das weiche Leder, ob mit Narben oder nicht, wurde steinhart und konnte schier zum Schnitzen verwendet werden. Perfekt für weitere Rüstteile, leicht und einigermaßen erschwinglich auch für mich. Jagen konnte ich, gerben und die Verarbeitung von Leder habe ich nun gelernt. Doch da war noch immer dieser Händler mit den Fellen. Interessiert lauschte ich den Verhandlungen der beiden. Was ich immer wieder verstanden habe ist „Rus“ und „Kiew“… Was ist das für ein Ort fragte ich später den Fellhändler – das ist die größte und wohlhabendste Stadt der Welt, sagte er.

Tief beeindruckt saß ich da und wusste nicht was ich machen soll: ist das das Ziel meiner Reise?

Dies soll nun einmal das Ende meiner Geschichte darstellen, bei passender Gelegenheit werde ich hier anknüpfen und euch die letzte große Reise, von Wortizlawa nach Kiew erzählen und wie  ich zu der kleinen Sippe der Falken gestoßen bin.

Habt meinen Dank für eure Aufmerksamkeit!

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